
Der beste Wein der Welt, welcher nicht aus Trauben gekeltert wird, stammt von 300jährigen Birnenbäumen aus dem Süden der Normandie, die in Böden aus «Granite rose» wurzeln. Tja, wenn das Alter einer Kulturpflanze in einer direkten Relation zur Qualität der Früchte stehen, wie es die Mehrheit der Weinjournalisten gerne und oft predigt, sollte sie sich endlich mal mit der Birne beschäftigten. Denn während die Rebe oder auch der Apfelbaum mit 100 Jahren langsam in die Demenz abgleitet, steht der Birnbaum im Alter von 300 Jahren noch stolz und mächtig da. Bis zu 20 Meter hoch erheben sich die Kronen der Birnen-Methusaleme von Eric Bordelet, der sich in den letzten 20 Jahren (zuvor war er Sommelier im 3-Sterne-Lokal Arpège von Alain Passard in Paris) so tief in den Kosmos der Apfel- und Birnenweine vorgetastet hat, wie kein anderer vor ihm auf dieser Welt.
«20 Meter hohe Kronen bedeuten auch 20 Meter tiefe Wurzeln», sagt Eric. Kein Wunder, dass sein «Poiré Granit» mit Noten, von Minze, Feuerstein, Kreide und Limonen ausgesprochen mineralisch wirkt. Obwohl mit nur 3,5 Volumenprozent Alkohol ein fragiles Gebilde, gleicht er mit seiner Textur und Struktur einem grossen Riesling, bei dem Säure und Restsüsse in vollkommener Balance stehen. «Die grosse Kunst ist», so sagt Bordelet, «die Birnen im perfekten Reifestadium zu ernten. Denn dieses Zeitfenster dauert in manchen Jahren nur wenige Stunden». Eine Spur zu früh geerntet, neigt der Wein später zu grünen, leicht bitteren Noten, eine Nuance zu spät gelesen, bedroht flüchtige Säure den grazilen Charakter dieses Grand Crus. Eric Bordelet war ein guter Freund des 2008 tödlich verunglückten Loire-Winzers Didier Dagueneau. Er teilte mit diesem einen geradezu radikalen Individualismus, der sich auch in der Einzigartigkeit seiner Weine manifestiert. Darum bereitet sein «Poiré Granit» genau so viel Genuss, wie die allerallerbesten Traubenweine dieser Erde.
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