Le vrai Cheval Blanc

Bei den Flachlandwinzern in Bordeaux gibt es bekanntlich ein Gut, das stolz ein weisses Pferd als Namen trägt. Ob die Rebstöcke dort jemals ein weisses Pferd zu Gesicht bekommen haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Üblicherweise weiss aber der moderne Bodeaux-Gutsherr mehr über seine vergoldeten Badewannen-Armaturen zu berichten als über traditionelle Rebbergsarbeit… Ein weisses Pferd wie aus dem Bilderbuch weidet dagegen – im besten Einvernehmen mit zwei Artgenossen, sechs Kühen und einem Esel – jeden Frühling in den Vieilles Vignes des 36jährigen Maxime Magnon in Corbières. Zwei Wochen bleibt die kuriose Herde – bei deren Anblick mir sofort das Märchen von den «Bremer Stadtmusikanten» in den Sinn kommt – in jeder seiner Parzellen, frisst dabei Tag und Nacht die alten Triebe von den Stöcken und versorgt diese gleichzeitig kackend mit organischem Dünger.


2001 kam Maxime Magnon zufällig nach Villeneuve des Corbières, rettete in den folgenden Jahren rund zehn Parzellen mit, bis zu 100jährigen Cinsault-, Carignan- und Grenache-Stöcken, die hier in einem wechselnden Gemisch aus Schiefer, Lehm und Kalk wurzeln, vor dem Ausreissen. Für dieses «Stilllegen» wurden damals EU-Prämien von bis zu 6’000 Euro pro Hektar gezahlt. Und für diese «schnelle Kohle» opferten die Bauern gerne die von ihren Grossvätern gepflanzten Reben.

Archaisch wie der Einsatz seiner vierbeinigen Rebbergsarbeiter mutet auch die Art und Weise an, wie Maxime seine Weine keltert. Alle Trauben kommen mit den Stielen in die Gärtanks, und durchlaufen in den ersten Tagen eine Macération Carbonique, die dann behutsam in eine klassische Maischengärung mit Pigage (teilweise auch Remontage) übergeht. Auch sonst hat der Mann seine Prinzipien. So reift er seine Rotweine ausschliesslich in Barriques, die gut gepflegt aber schon mindestens sechs Mal eingesetzt wurden, verwendet keine Kunsthefen, filtriert nicht und arbeitet mit minimalsten Schwefelmengen. Visionär ist aber besonders seine Rückbesinnung auf die heute allgemein verpönte Macération Carbonique. Mit ihr gelingt es ihm, seinen voll strukturierten und konzentrierten Weinen eine grossartige, beschwingte Frische und Bekömmlichkeit zu verleihen.

Tipp: Seine ungeschwefelte Cuvée Rose, eine Selektion der jeweils besten Fässer eines Jahrgangs. Besser kann ein roter «Naturwein» nicht schmecken…